Zwischen Fortschritt und Misstrauen - wie die Technologie-Skepsis Innovationen hemmt

Die Gesellschaft ist von einer digitalen Spaltung durchzogen. Einerseits nutzen wir die Möglichkeiten, die innovative Technologien uns bieten, andererseits herrscht immer noch Misstrauen und Angst vor dem digitalen Unbekannten. Achtsamkeit ist zwar im Umgang mit Daten immer angebracht, doch was kostet uns eine zögerliche Einstellung? Und welches Potential wird dabei oft verschenkt?

Der Zwiespalt des digitalen Zeitalters

Die Menschen erkennen und begrüßen zwar die Verbesserungen und Chancen, die der Einsatz von Technologien in unserem Alltag bietet. Gleichzeitig wehren sich aber viele gegen die Veränderungen, die ihre persönliche Komfortzone betreffen. Am meisten fürchten die Verbraucher, dass ihre Privatsphäre verloren geht und ihre Daten in die falschen Hände geraten. Diese zunehmenden technologischen Sorgen führen dazu, dass fast jeder Zweite zwiegespalten in Bezug auf den Umgang von Unternehmen mit Daten und technologischen Geräten reagiert. Und ein Drittel der Verbraucher fühlt, immer mehr die Kontrolle zu verlieren, da Technologie zunehmend ihr tägliches Leben beeinflusst. Es wird deutlich, dass die Verbraucher zwar digitale Innovation verlangen, sich aber gleichzeitig vor dieser fürchten.

Diese Kluft zwischen dem digitalen Interesse der Konsumenten und ihrem Misstrauen in die Technologie könnte den Fortschritt untergraben, wie eine neue Studie von VMware unter mehr als 6.000 europäischen Verbrauchern, davon 1.030 aus Deutschland, zeigt.

53 Prozent der befragten Deutschen glauben, dass Technologie zum digitalen Fortschritt in ihrem Land beitragen kann, und 63 Prozent wünschen sich Investitionen in technologische Innovationen. Es ist dennoch zu beobachten, dass deutsche Konsumenten von der Sorge um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten getrieben werden. 57 Prozent der Befragten fühlen sich angesichts der Dominanz von Technologie bedroht und fast ein Drittel fürchtet, dass Organisationen alles aufzeichnen, was sie auf ihren Geräten machen.

Die Zahl der Bürger, die die technologische Innovation weniger als Fortschritt und mehr als Grund zur Sorge betrachten, ist sehr hoch. Vor allem wenn gleichzeitig zu beobachten ist, wie die Bequemlichkeit oft die Oberhand über jegliche Bedenken gewinnt. Wenn es um das Akzeptieren von Cookies oder die Nutzung von Social-Media-Apps geht, wird das Risiko leichtfertig in Kauf genommen, während dieselben Daten für Forschungszwecke, unter anderem in der Medizin, nicht so einfach hergegeben werden.

Misstrauen in Daten gefährdet Fortschritt und Innovation

Das Misstrauen in die Verwendung von Daten wird zwar aus Gründen der Bequemlichkeit abgelegt, wenn es aber um das Teilen von Daten mit Regierungen und Unternehmen geht, endet diese Akzeptanz. Tatsächlich sind gerade einmal 11 Prozent der deutschen Verbraucher dazu bereit, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, damit intelligentere und umweltfreundliche Infrastrukturen und Umgebungen entwickelt werden können. Demnach bringt die Mehrheit der Bürger öffentlichen Instanzen ein generelles Misstrauen entgegen. Andererseits erwarten diese aber innovative Möglichkeiten, um den eigenen Alltag so einfach wie möglich zu gestalten. Es ist zunehmend zu beobachten, dass diese Sorge darum, was mit den eigenen Daten geschieht, einen Punkt erreicht, an dem es das positive Potenzial von Technologie gefährdet.

Das digitale Dilemma im Gesundheitswesen

Auch und besonders das Gesundheitswesen hat mit der großen digitalen Skepsis der Bürger zu kämpfen. Und das trotz der Erkenntnis, dass die Suche nach einem Impfstoff in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren ohne Technologien niemals so schnell erfolgreich gewesen wäre. Im Gesundheitswesen handelt es sich hierbei mehr um eine Frage des Vertrauens als in allen anderen Lebensbereichen. Während wir unsere Privatsphäre im Umgang mit Social Media oft auf die leichte Schulter nehmen, gehen wir mit unseren Gesundheitsdaten grundsätzlich vorsichtiger um.

Anstatt technische Innovationen in der Medizin zu begrüßen, fühlen sich immer noch 36 Prozent der Bürger nicht wohl dabei, ihre Gesundheit Computern anzuvertrauen. Nicht einmal die Aussicht, dass der Computer Dinge erkennen kann, zu denen ein Mensch nicht in der Lage ist, ändert diese Abneigung. Es scheint, dass die Menschen zwar dazu bereit sind, ihre Computer mit privaten Informationen zu betrauen – auch wenn dies oftmals unbewusst geschieht –, dieses Vertrauen jedoch bei der eigenen Gesundheit endet. In einer Episode des deutschsprachigen VMware Podcasts hatte ich erst vor Kurzem mit meinem Kollegen Jens Koegler zur Digitalisierung im Gesundheitswesen gesprochen, der die Dramatik der Situation auf den Punkt gebracht hat: Heute fehlen bereits 200.000 Pflegekräfte, 2030 werden es aktuellen Schätzungen nach 500.000 sein. Technologie kann und muss die Beschäftigten im Gesundheitswesen unterstützen, damit die Versorgung von Patienten auch in Zukunft noch gewährleistet werden kann.

Im Gegensatz dazu ergab die Studie auch, dass die Verbraucher ein echtes Interesse an mehr digitalen und datenaustauschfähigen Anwendungen haben. 41 Prozent finden es spannend, einen gut ausgebildeten Arzt zu haben, der eine gründliche Operation mit Hilfe von Robotertechnik durchführt, anstelle eines weniger qualifizierten Arztes, der die Operation selbst in die Hand nimmt.

Der digitale Zwiespalt der Bürger lässt sich in vielen Lebensbereichen beobachten. Dennoch bleibt trotz aller Vorbehalte das Potential der Technologie, unsere Gesellschaft und unseren Planeten zu verbessern, erkennbar. Doch da ist definitiv noch Luft nach oben. Was müssen Unternehmen und Regierung also tun, um die Angst vor Innovationen in Vertrauen umzuwandeln?

Vertrauen, Transparenz und Kompetenz

Ärzte benötigen Daten, um klinische Entscheidungshilfesysteme und KI-basierte Anwendungen einzusetzen und sich dadurch ein vollständiges Bild über den Patienten zu machen. Organisationen müssen in der Lage sein, den Wert von Daten zu erschließen, sie in Wissen umzuwandeln und sie zu nutzen, um bessere Ergebnisse für Patienten zu erzielen. Wenn der Zugang zu Daten fehlt, wird auch die Weiterentwicklung und der Einsatz neuer Technologien behindert.

Um einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Daten einzuleiten, können Unternehmen und Regierung ihre Strategie auf drei Säulen aufbauen:

  1. Vertrauen in Regierungen und Unternehmen aufbauen
  2. Transparenz über die Nutzung von Daten schaffen
  3. Kompetenz für den Umgang mit Technologien vermitteln

Unternehmen und die Regierung müssen aktiv eine technologiekompetente Bevölkerung fördern. Nur indem wir das Vertrauen darin stärken, dass die Parteien, die mit sensiblen Daten umgehen, dafür auch geeignet sind, können wir die digitale Wirtschaft ankurbeln.

Über den Autor

Als Principal Technologist im Office of the CTO, Global Field, bei VMware bringt Björn Brundert Kunden und Partnern die Technologievision von VMware näher und unterstützt sie dabei, VMware-Lösungen auf ihre jeweiligen Geschäftsanforderungen abzustimmen.

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