Zwischen den Zeilen lesen: So verstehen Sie alle Formulierungen im Arbeitszeugnis richtig

„Sie war stets bemüht und hat sich ausgezeichnet mit ihren Kollegen verstanden.“ Klingt nach einem tollen Feedback? Nicht ganz, denn nicht alles was sich positiv anhört, ist auch positiv gemeint. Arbeitszeugnisse müssen laut Gesetz zwar der Wahrheit entsprechen, aber wohlwollend geschrieben sein. Hierfür haben sich in den letzten Jahren einige Formulierungen etabliert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie in Ihrem Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen lesen und alle Bewertungen richtig verstehen.

Generell wird zwischen zwei verschiedenen Zeugnisarten unterschieden:

Einfaches Zeugnis

Bei einem einfachen Zeugnis handelt es sich um eine neutrale Beurteilung. Zweideutige Formulierungen kommen hier nicht vor. Es werden lediglich die erledigten Aufgaben beschrieben, über das Verhalten und die individuellen Fähigkeiten wird jedoch nicht berichtet. Daher bietet es potenziellen neuen Arbeitgebern nur einen eingeschränkten Überblick über Ihre vorherige Stelle.

Qualifiziertes Zeugnis

Neben den übertragenen Aufgaben enthält ein qualifiziertes Arbeitszeugnis außerdem eine Beurteilung über Ihre Leistung, Arbeitsweise und Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. Neue Arbeitgeber können sich demnach ein genaues Bild über Ihre Person, Ihre Erfahrungen und Arbeitsqualität machen.

Oft sind qualifizierte Arbeitszeugnisse schwer zu interpretieren. Negative Aussagen kann man in der Regel nicht finden. Wenn Sie wissen möchten, was die Formulierungen genau bedeuten, sollten Sie zwischen den Zeilen lesen und auf die Adjektive achten. Diese beschreiben typischerweise Schulnoten.

Genau hinsehen: Adjektive und Beschreibungen

  • Note 1: Formulierungen wie „stets/immer/jederzeit zur vollsten Zufriedenheit“, „herausragend“, „außerordentlich“ und „im höchsten Maße“ sind ein Hinweis darauf, dass Sie als sehr guter Mitarbeiter bewertet wurden und Sie die Erwartungen vollumfänglich erfüllt haben.
  • Note 2: „Stets/immer/jederzeit zur vollen Zufriedenheit“, „beste Ergebnisse“, „hohes Engagement“ und „überdurchschnittlich“ sind klassische Formulierungen für eine gute Bewertung. Sie haben Ihre Aufgaben zufriedenstellend bearbeitet und sind durch Ihr Verhalten positiv aufgefallen.
  • Note 3: Eine befriedigende Bewertung erkennen Sie mit Formulierungen wie „zufriedenstellend“, „gewissenhaft“, „solide“ oder „sorgfältig“. Im Großen und Ganzen haben Sie einen erwartungsgemäßen Job gemacht.
  • Note 4: Folgende Umschreibungen deuten auf Note 4 im Arbeitszeugnis hin: „Zu unserer Zufriedenheit“, „ordnungsgemäß erledigt“, „hat Erwartungen entsprochen“. Wenn Sie Punkte entdecken, die mit ausreichend in Ihrem Zeugnis bewertet wurden, sollten Sie sich vornehmen, an diesen Themen gezielt zu arbeiten, um sich darin zu verbessern.
  • Note 5: Formulierungen, wie „war bemüht“, „im Rahmen seiner/ihrer Fähigkeiten“, „mit Fleiß und Willen“ deuten auf eine Bewertung mit Note 5 hin. Diese können ein echtes Hindernis bei zukünftigen Bewerbungen sein. Bitten Sie Ihren Arbeitgeber unbedingt, Ihnen die Bewertung zu erklären, damit Sie gezielt an sich arbeiten können.

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Doppeldeutige Formulierungen

Für Note 6 gibt es sogenannte Geheimcodes”, die doppeldeutig gemeint sind. Sie klingen zunächst nach einer guten Bewertung, fallen aber jedem Personaler als negative Formulierung auf.

„Er/Sie hat ein gesundes Selbstvertrauen“ ist ein Beispiel hierfür. Im ersten Moment klingt das nach einer positiven Bewertung, denn ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein ist notwendig, um sich im Job durchsetzen. Taucht dieser Satz allerdings in Ihrem Arbeitszeugnis auf, bedeutet dies, dass Sie arrogant wirken.

Auch die Formulierung „Er/Sie war ein gesuchter Gesprächspartner“ ist kein Indiz für ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten. Viel mehr bedeutet der Satz, dass Sie sich zu viel mit Ihren Kollegen über arbeitsferne Themen unterhalten. 

Unzufrieden mit dem Arbeitszeugnis?

Falls Sie die Bewertung in Ihrem Arbeitszeugnis nicht nachvollziehen können, sollten Sie auf die Personalabteilung zugehen. In den meisten Fällen sind es keine bösen Absichten, sondern Unwissenheit, die zu einem schlechten Arbeitszeugnis führen. Der direkte Kontakt ist die beste Möglichkeit, um eine schnelle Lösung zu finden. Markieren Sie im Vorfeld die Stellen im Zeugnis, mit denen Sie unzufrieden sind und schlagen Sie Alternativformulierungen vor.

Sollte die Korrektur länger dauern als gewünscht oder es nicht zu einem Gespräch kommen, können Sie auch schriftlich die Korrekturwünsche vorlegen. In letzter Instanz kommt eine gerichtliche Klage in Frage. Diese kann innerhalb von drei Wochen nach Erhalt des Arbeitszeugnisses eingereicht werden.

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