Ein Ausblick auf die neue alte Arbeitswelt

In der aktuellen Arbeitswelt 4.0 stehen die Digitalisierung und damit auch flexible Arbeitsmodelle im Vordergrund. In unserer “So arbeitet Deutschland”-Studie aus dem Jahr 2019 gaben die Befragten Arbeitnehmer an, dass jedoch lediglich 12 Prozent der Arbeit im Homeoffice erledigt wird. Bei Ausbruch der Corona-Pandemie standen damit viele Unternehmen vor der Herausforderung, großflächig auf Homeoffice umzurüsten. 

Corona befeuert den digitalen Wandel

Technisch möglich sind die Digitalisierung und Visualisierung von Arbeitsabläufen und Terminen schon viele Jahre. Doch Unternehmen tun sich aufgrund längst überholter Annahmen und einer weiterhin geltenden Präsenzkultur aus verschiedenen Gründen immer noch schwer damit, Arbeitnehmern das flexible Arbeiten anzubieten – auch wenn grundsätzlich 40 Prozent der Jobs in Deutschland dazu geeignet sind, remote erfüllt zu werden. Um schlichtweg arbeitsfähig zu bleiben, gab es für Unternehmen jedoch keine Alternative, Homeoffice von dem einen auf den anderen Tag zu ermöglichen.

Nach einer aktuellen Studie von April 2020 arbeiten derzeit 41 Prozent der Arbeitnehmer im Homeoffice. Viele Arbeitnehmer sehen die Vorteile des flexiblen Arbeitens – dennoch verlieren sie auch die damit aufkommenden negativen Aspekte nicht aus dem Blick: möglicher schlechter Informationsfluss durch weniger bzw. rein schriftliche Absprachen, ein zunehmendes Verschwimmen von Arbeits- und Privatleben sowie sogar ein möglicher Karriere-Knick durch die fehlende Präsenz vor Ort. 

Da es die aktuelle Lage ermöglicht, denken die ersten Unternehmen über eine langsame Öffnung der Büros für zumindest einen Teil der Belegschaft nach. Doch der Wunsch der Arbeitnehmer nach einem auch langfristigen flexiblen Arbeitsmodell überwiegt trotz der negativen Punkte: 60 Prozent wünschen sich eine Lockerung der Homeoffice-Option, um zumindest ab und an über ihren Arbeitsort selbst zu entscheiden. Wie lassen sich also die Interessen beider Seiten vereinen? 

Prognosen für eine sich verändernde Arbeitswelt 

Es ist höchste Zeit, Corona als Chance für den Wandel und ein Umdenken wahrzunehmen. Die Aspekte, die in die Veränderung der neuen Arbeitswelt hineinspielen, gehen dabei über den bloßen Arbeitsort weit hinaus. Im Zentrum der Überlegungen, welche Schritte und Maßnahmen genau notwendig sind, steht kein geringerer Aspekt als die Unternehmenskultur. Von jener sind viele Faktoren bereits lange im Vorfeld abhängig.  

Doch wie kann das Arbeiten nach der Ausnahmesituation langfristig aussehen? Wie kann eine Leistungserbringung auch in einer nach wie vor starken Präsenzkultur gezeigt werden? Wir fassen die sechs wichtigsten Punkte zusammen: 

1. Flexibles Arbeiten rückt in den Fokus 

Nicht nur aus dem Grund, dass der Stand der Digitalisierung längst darauf drängt, ist ein flächendeckendes Ermöglichen von Homeoffice nicht nur notwendig, sondern auch sinnvoll. Insbesondere für Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, macht ein ruhigerer Arbeitsort Sinn. Für Arbeitgeber eröffnet Homeoffice somit nicht nur eine gleichbleibende, sondern möglicherweise sogar eine höhere Qualität der geleisteten Arbeit. Arbeitgeber, die diesen Schritt gehen, können mit einer dauerhaften geringeren Besetzung vor Ort rechnen und letztlich bei dem Bereitstellen von Büro- und Arbeitsflächen massiv Geld einsparen. 

2. Führungskultur wird angepasst

Im Rahmen eines verstärkten flexibleren Arbeitens ist es besonders wichtig, dass sich Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter micromanagen, von ihrem Bild des faulen Mitarbeiters im Homeoffice schnellstmöglich trennen. Manager müssen ihren Mitarbeitern das nötige Vertrauen entgegenbringen, um eine langfristige erfolgreiche Zusammenarbeit untereinander und Produktivität zu ermöglichen. Arbeitnehmer benötigen Entscheidungs- und Gestaltungsfreiräume, anhand derer sie gleichzeitig ihre Kompetenzen und Stärken weiterentwickeln. 

3. Effizienteres Arbeiten wird ermöglicht

Wie bereits im ersten Punkt aufgegriffen, kann Homeoffice ein fokussiertes und konzentrierteres Arbeiten ermöglichen. Schafft ein Arbeitgeber diese Rahmenbedingungen, können auch weitreichendere Aufgaben effizienter erledigt werden: Um Entscheidungen zu fällen ist es dann beispielsweise nicht mehr zwingend notwendig, sich in Person zu treffen. Wie die Corona-Krise bereits bewies, gibt es mehr Termine, die virtuell stattfinden können, als anfänglich gedacht. Durch eine geringere Reisetätigkeit können andere Aufgaben erledigt werden und es kann besonders Eltern die Möglichkeit bieten, mehr Zeit für ihre Familie zu haben. 

4. Kernarbeitszeiten werden überdacht

In vielen Unternehmen herrschen Kernarbeitszeiten, die allerdings den Großteil des Tages einnehmen. In der aktuellen Situation ist es natürlich besonders für Familien wichtig, Kernarbeitszeiten zu lockern und damit das bereits angesprochene Vertrauen in die Mitarbeiter zu unterstreichen. Neben einer Lockerung der Deadlines ist das Arbeiten auf Deadlines eine Möglichkeit, da es die Leistungserbringung bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt festlegt. Wann diese Leistung genau erbracht wurde, ist damit nicht relevant und gibt Mitarbeitern eine zusätzliche Flexibilität. 

5. Raum für Austausch wird geboten

Teams, die es nicht gewohnt sind aus dem Homeoffice heraus zusammenzuarbeiten, müssen Möglichkeiten zum Austausch eingeräumt werden. Hilfreich sind kurze tägliche Video-Meetings um Fragen zu stellen oder auch Aufgaben und Projekte, an denen sie derzeit arbeiten, den Teammitgliedern und dem Vorgesetzten zu präsentieren. Das könnte in der neuen Arbeitswelt in vielen Teams – ganz nach dem Vorbild des agilen Projektmanagements – zum Standard werden. Nichtsdestotrotz ist auch der Raum für einen kurzen privaten Austausch wichtig – eine einfache Einladung zu einem Termin ermöglicht es, dass sich die Zeit auch wirklich dafür genommen wird. Auch ein privaterer Austausch im ganzen Team kann so möglich gemacht werden. 

6. Stattfinden von aktiver Kommunikation

Die Corona-Krise zeigte beispielsweise bereits zu Beginn schnell, dass in erster Linie Jobs mit hoher Systemrelevanz im Vorteil sind und von Kurzarbeit und einer Insolvenz durch den Arbeitgeber geschützt sind. Das führte bei Arbeitnehmern zu einer großen Verunsicherung. Um die Motivation der Arbeitnehmer aufrechtzuerhalten, zeigen solche Folgen, dass Unternehmen mehr denn je dazu angehalten sind, so transparent und offen wie möglich mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren und damit wertschätzend zu agieren. Dazu gehören nicht nur Neuigkeiten in der aktuellen Zeit, sondern darüber hinaus die Kommunikation von Entscheidungen und daraus resultierende Veränderungen. 

Fazit

Unklar ist weiterhin, wie lange Corona die Menschheit im aktuellen Maße begleitet und einschränkt. Auch ist eine zweite Welle nicht ausgeschlossen, die die geltenden Maßnahmen nicht nur in der eignen Heimat, sondern weltweit wieder verschärfen könnte. Somit sind Unternehmen dazu angehalten, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und ihre Business Continuity Pläne an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Für Arbeitnehmer heißt das gleichzeitig, die Chancen des flexiblen Arbeitens wahrzunehmen und Plattformen des Unternehmens aktiv zu nutzen. Damit können Mitarbeiter jenseits einer Präsenzkultur ihre Projekte sogar dem ganzen Unternehmen vorstellen und sich im Unternehmen einen Standpunkt erarbeiten.   

Ganz wird das flexible Arbeiten die Arbeit vor Ort in absehbarer Zeit zwar nicht ablösen, da es sicherlich wichtig bleibt, sich langfristig gesehen auch persönlich kennenzulernen – dennoch gewöhnen sich derzeit sehr viele Mitarbeiter an die neue Arbeitsweise und finden sich in der neuen Kommunikationsweise zurecht. Durch Videokonferenzen und einem schnellen Austausch fallen für viele Mitarbeiter möglicherweise nach und nach auch die Hürden, sich zu zeigen und voranzugehen. Um in diesem Punkt keinen Schritt zurück zu machen, ist es an den Unternehmen, die richtige Balance zu finden.

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