Auswirkungen der Corona-Krise: Diese Skills sind in Zukunft gefragt

Ob Homeoffice, Telefonkonferenzen oder digitaler Lehrunterricht: Die Maßnahmen, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie in vielen Ländern erlassen worden sind, bringen einiges in Bewegung. Vor allem Fachkräfte müssen sich während und auch nach der Corona-Krise neuen Anforderungen stellen.

Wir haben mit Luuk Houtepen, Director Business Development der SThree GmbH, gesprochen, welchen positiven Effekt die Krise bezüglich der Digitalisierung auf unser Land hat und wie sich die klassischen Soft Skills von Fachkräften zukünftig verändern werden.

Luuk Houtepen hat bereits 2007 seine Karriere bei SThree in Amsterdam begonnen. Seitdem hat er das Key Account Management in DACH aufgebaut und ist seit 2016 Director Business Development sowie Pressesprecher der SThree. Zudem ist er seit 2017 ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzender der APSCo – The Association of Professional Staffing Companies – tätig und vertritt SThree beim Bundesverband für Selbständige Wissensarbeit e.V. in Berlin.

Corona - Treiber der Digitalisierung

“Niemand hatte mit einer solchen Art von Krise gerechnet, doch bereits vor Monaten gab es Anzeichen, dass es zu einer Abschwächung der Wirtschaftslage kommen wird. Indizien dafür waren unter anderem die rückläufige Auftragslage sowie die Gewinne in der Automobilbranche”, erklärt uns Luuk Houtepen.

Jedoch war Deutschland auf eine solche Situation nicht vorbereitet. Vor allem beim Thema Digitalisierung lag die Bundesrepublik schon immer einen Schritt zurück. Luuk Houtepen schildert uns die Lage in seinem Heimatland Holland: “Die Niederlande investierte schon früh in die Digitalisierung und ist Deutschland dabei weit voraus.” Tatsächlich gehört das Nachbarland zu den am besten digitalisierten Ländern Europas. Vielerorts gibt es kostenloses Wi-Fi und Funklöcher sind sehr selten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Homeoffice und Homeschooling kein großes Problem für das Land darstellt.

Zudem verfügt die Niederlande über eine Contact-Tracing-App, die dabei helfen kann, Infektionsketten zu durchbrechen. Denn wer sich infiziert, merkt das unter Umständen erst nach Tagen oder überhaupt nicht, steckt aber in der Zwischenzeit bereits andere an. Durch die technische Unterstützung könnten die Personen früher von ihrer möglichen Infektion erfahren, als sie sonst durch Symptome bemerkt hätten. Folglich könnten sie sich so weit es geht isolieren und die Ausbreitung des Virus bremsen 

Die Entwicklung einer digitalen App, die den gesamten Prozess beschleunigen würde, auch für zukünftige Krisen, könnte in Deutschland zusätzlich neue Jobs schaffen. Für eine solche Entwicklung werden Experten unter anderem in der App-Entwicklung, Cyber Security, Prozessentwicklung und Big Data benötigt, erklärt uns Herr Houtepen. Hierzulande wird bereits seit einigen Wochen intensiv an einer solchen App gearbeitet.

Soft Skills sind gefragt

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen zu einem raschen digitalen Wandel gezwungen. Seit Ausbruch des Virus arbeitet jeder zweite deutsche Arbeitnehmer im Homeoffice. Viele Anbieter wie Microsoft Teams, Zoom oder Slack und Jira für Kommunikation und Teamarbeit erfahren aktuell enorme Nachfrage - im Homeoffice und als Alternative zu Dienstreisen.

Da für viele Fachkräfte diese Art von Kommunikation etwas neues ist, müssen sie sich mit den digitalen Soft Skills auseinander setzen. Sie sind erforderlich, um mit den technologischen Herausforderungen und auch zukünftigen Veränderungen in der Arbeitswelt mithalten zu können. Zu den digitalen Soft Skills zählen persönliche, soziale und methodische Kompetenzen. Luuk Houtepen ergänzt, dass die klassischen Soft Skills, wie man sie bisher kennt, nicht weniger bedeutsam werden, sondern sich in die digitale Richtung verändern: “Vor allem auf die Mimik muss bei Videokonferenzen sehr genau geachtet werden, um Missverständnisse oder falsche Andeutungen zu vermeiden.” Außerdem muss darauf geachtet werden den digitalen Gesprächspartner aussprechen zu lassen und sich selber stets kurz zu fassen, schließt Herr Houtepen ab.

Globale Abhängigkeit und die Folgen

Covid-19 hinterlässt große Spuren in der wirtschaftspolitischen Debatte. Die aktuelle Situation der Industrien, die wegen unterbrochener Lieferketten zum Erliegen

gekommen sind und nur sehr schwer in kurzer Zeit wieder hoch zu fahren sind, zeigt, wie sehr Deutschland global abhängig ist. “Vor allem wichtige Medizingüter fehlen, weshalb einige Pharmaunternehmen sich dazu entscheiden, zukünftig die Produktion in die Bundesrepublik zu verlagern. So können sie die aktuelle Abhängigkeit vom Ausland reduzieren”, fügt Luuk Houtepen hinzu. Zusätzlich steigt somit auch die Nachfrage nach Fachkräften im Pharmabereich.

Doch nicht nur im Medizinbereich lässt sich ein solches Umdenken erkennen, auch im Ingenieurbereich werden vermehrt Anlagen und Produktionsstätten in Deutschland gebaut.

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“Auch wenn die Kosten in Deutschland höher sind, bin ich der Überzeugung, dass der Hauptteil der Produktionen wieder nach Deutschland zurückkehren wird, um nicht mehr global abhängig zu sein. Dies hat auch für die Ökologie sowie Ökonomie positive Auswirkungen”, schließt Herr Houtepen ab.

Ausblick auf den Arbeitsmarkt nach Corona

Viele Unternehmen haben stark in die digitale Arbeitsweise investiert. Durch die Pandemie haben sie Wege gefunden, beispielsweise über Remote Management, weiterhin erfolgreich und effektiv zu sein. Angestellte können problemlos von zu Hause aus arbeiten, wodurch sie ihre digitalen skills sowie ihre Selbstorganisation verbessern. Zudem führt Homeoffice zu neuen Führungskonzepten und stärkt die Digitalisierung und Innovationsfähigkeit in der jeweiligen Firma.

Auch wenn es zu Beginn Startschwierigkeiten gegeben hat, sind Deutschland und die deutschen Bürger bisher hervorragend mit der Pandemie umgegangen. Die Bundesrepublik zeigt seit Beginn der Krise großen Einsatz, die Digitalisierung voranzutreiben und die medizinische Wirtschaft Schritt für Schritt neu aufzubauen.

Vielen Dank für das spannende Interview, Herr Houtepen

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