Ein Atomkraftwerk zurückbauen – Wie funktioniert das eigentlich?

In den 1950er-Jahren wurde die Atomkraft erstmals zur Erzeugung von Strom genutzt, seit 1960 dann auch in Deutschland. Die Atomkraft ist eine aus Umweltschutz-Gründen sehr umstrittene Technologie zur Erzeugung von Energie mithilfe einer induzierten Kernspaltung, die eine kontrollierte Kettenreaktion in Gang setzt. Die gewonnene Energie wird anschließend in Wärmeenergie umgesetzt. Diese Wärme wird wiederum zur Erzeugung von Strom verwendet. Als Kernbrennstoff wird hauptsächlich Uran verwendet.

Bis 2022 wurde beschlossen, alle Kernkraftwerke in Deutschland abzuschalten. Auslöser dafür war 2011 die Atomkatastrophe in Japan: Ein schweres Erdbeben und ein Tsunami führten zu einer Reaktorkatastrophe in der Atomanlage von Fukushima. Doch die Stilllegung und der anschließende Rückbau werden noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Wie der Prozess dazu aussieht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Stilllegung und Rückbau der Atomkraftwerke

Die Stilllegung eines Atomkraftwerks ist eine technisch und organisatorisch anspruchsvolle Aufgabe. Kommt es zu der Abschaltung eines Atomkraftwerks, beginnt der sogenannte Nachbetrieb. Der Betreiber muss einen Antrag auf Rückbau bei der Atomaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes stellen. Währenddessen wird der Reaktorkern entladen. Die Brennelemente kommen dabei für vier bis fünf Jahre in ein Abklingbecken. 

Für den weiteren Verlauf gibt es zwei Strategien:

  •         Den direkten Abbau
  •         Den sicheren Einschluss mit späteren Abbau

Direkter Abbau:

Bei dieser Strategie wird unmittelbar nach der Genehmigung mit dem Abriss und der Entsorgung der Anlage begonnen. Vorteil dabei ist die Verfügbarkeit von Personal, das mit der Anlage vertraut ist. Aufgrund der höheren vorhandenen Radioaktivität sind die Abbauarbeiten jedoch komplexer.

Sicherer Einschluss: 

Hier wird ein kompletter Reaktor zunächst für mehrere Jahrzehnte lang eingeschlossen. Erst danach beginnt der Rückbau. Wesentlicher Vorteil ist das Volumen an radioaktiven Abfall, das während dem Einschluss abnimmt. Durch die geringere Strahlenbelastung werden die Abbauarbeiten technisch einfacher. Ein Nachteil ist der Verlust des spezifischen Fachwissens des Personals, das in dem jeweiligen Atomkraftwerk beschäftigt war.

Ist die Strategie gewählt, beginnt - früher oder später - der eigentliche Abbau. Zunächst werden die äußeren Elemente entfernt, dann die großen und stark strahlenden Teile. Zum Schluss steht nur noch das leere Gebäude auf der Anlage. Ist dies auch freigegeben, wird es aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes entlassen. Das Gelände kann somit neu bebaut oder als “Grüne Wiese” genutzt werden.

Ist der Abbau vollständig abgeschlossen, steht die größte Herausforderung jedoch noch bevor: Die Entsorgung des radioaktiven Abfalls, der beim Rückbau entsteht. Bis jetzt gibt es noch kein Endlager. Die Brennelemente werden derzeit in Zwischenlagern direkt vor Ort untergebracht. Die übrigen radioaktiv kontaminierten Abfälle werden durch Pressen, Verdampfen oder andere Verfahren behandelt und müssen ebenfalls zunächst in Zwischenlagern aufbewahrt werden. 

Deutschland als internationaler Vorreiter

Erneuerbare Energien

Nach dem Atomunfall in Japan beschlossen in Europa neben Deutschland nur die Schweiz und Belgien, langfristig auf die Produktion von Strom aus Kernenergie zu verzichten (Belgien bis 2025, Schweiz bis 2034). Frankreich hält dagegen an der Kernenergie fest. Das Parlament beschloss im Oktober 2014 lediglich, den derzeitigen Anteil von 75 Prozent Kernkraft an der Stromerzeugung auf 50 Prozent im Jahre 2025 zu senken.

Ob es Deutschland als eines der wichtigsten Industrieländer der Welt gelingen wird, vollständig auf Kernenergie zu verzichten, ohne Abstriche am Klimaschutz zu machen, wird weltweit interessiert beobachtet. 

Der Ausstieg bedeutet einen Wandel des Energiesystems. Langfristig sollen Erneuerbare Energien die Kernkraft ersetzen: Neue Stromleitungen, neue konventionelle Kraftwerke und den Ausbau der Erneuerbaren Energien werden künftig der Hauptfokus in diesem Bereich sein. Die rechtlichen Maßnahmen, die dafür nötig sind, sind schon auf den Weg gebracht. Doch auch die Bevölkerung muss die künftigen Änderungen akzeptieren und dabei helfen, so sparsam wie möglich mit Energie umzugehen.

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