Unternehmenskultur und IT-Freiberufler

Wenn Sie als IT-Freiberufler eine neue Projektanstellung suchen, sind für Sie höchstwahrscheinlich Aspekte wie der Arbeitsinhalt und das Honorar ausschlaggebend. Jedoch sollten Sie auch auf die Unternehmenskultur und die Atmosphäre innerhalb der Firma achten. Auch wenn diese Merkmale sich nicht vorrangig auf Ihre Entscheidung auswirken, so können sie doch Aufschluss darüber geben, ob ein Auftraggeber für Sie geeignet ist oder nicht. 

Es gibt einige Aspekte, auf die man schon im Vorfeld achten kann, um die Unternehmenskultur besser einschätzen zu können. In diesem Artikel werden vier davon näher erläutert. 

4 Fragen zur Unternehmenskultur eines Auftraggebers

In Zusammenhang mit der Unternehmenskultur denkt man im ersten Moment an die festangestellten Mitarbeiter eines Unternehmens. Es gibt jedoch viele Übereinstimmungen zwischen festangestellten und freiberuflichen Mitarbeitern: So sitzen sie mehrere Wochen oder Monate gemeinsam an einem Arbeitsplatz, sie binden sich für einen gewissen Zeitraum an das Unternehmen und sie unterstehen einem gemeinsamen Manager oder CEO. 

Deshalb sollten Sie sich als Freiberufler unbedingt fragen, ob die Organisationskultur eines Unternehmens Ihnen die Arbeitsbedingungen bieten kann, mit denen Sie sich wohl fühlen.

Um festzustellen, ob die vorgestellte Unternehmenskultur zu Ihnen passt, können Sie bereits im Vorstellungsgespräch einige allgemein gültige Fragen stellen.

1. Welche Führungsstile gibt es innerhalb des Unternehmens?

In der allgemeinen Führungstheorie wird zwischen drei verschiedenen Führungsstilen unterschieden:

1) Autoritärer Führungsstil: Ziele und Arbeitsweise werden allein von einem Manager festgelegt und Entscheidungen werden ohne Beratung mit anderen beschlossen. 

2) Demokratischer/Kooperativer Führungsstil: Der Manager hat letztendlich die Verantwortung, Mitarbeiter können jedoch Einfluss auf die zu treffenden Entscheidungen nehmen. Das Team steckt gemeinsam Ziele ab und berät zusammen über Entscheidungen.

3) Laissez-faire Führungsstil: Teams haben alle Freiheiten, sie lenken sich selbst, es wird keine zentrale Führung gegeben. Manager verhalten sich passiv und delegieren alles an ihre Mitarbeiter. 
Oftmals treten auch Mischformen dieser Führungsstile auf. Diese können je nach Situation, Manager und Teamstruktur ganz unterschiedlich sein. 

Vor- und Nachteile der Führungsstile für IT-Freiberufler

Jeder der aufgezeigten Führungsstile hat Vor- und Nachteile. Als IT-Freiberufler arbeiten Sie selbstständig und verfügen über bestimmte Fachkenntnisse, die andere Team-Mitglieder nicht haben. Deshalb könnte es sein, dass Sie sich innerhalb des autoritären Führungsstils nicht optimal entfalten können. Ein häufig angeführtes Argument gegen autoritäre Führung ist auch, dass diese Art der Führung der Kreativität und Motivation entgegen wirkt, zwei Eigenschaften, die erfolgreiche IT-Fachkräfte antreiben. 

Andererseits erfolgt die Entscheidungsfindung beim autoritären Führungsstil häufig schneller, als beim demokratischen oder Laissez-faire Stil. Das kann für Sie von Vorteil sein, wenn Sie innerhalb kurzer Zeit große Erfolge erzielen wollen und direkt mit dem Manager in Kontakt stehen. 

2. Wie viel Raum gibt es für Initiative und Autonomie?

Freiberufler legen im Allgemeinen viel Wert auf Freiheit und Autonomie. Wenn Sie sich als IT-Fachkraft längerfristig an einen festen Auftraggeber binden, müssen Sie hinsichtlich dieser Eigenschaften eventuell Opfer bringen. Gute Fragen in diesem Zusammenhang sind:

  • Inwieweit kann ich mir meinen Arbeitstag selbst einteilen?
  • Wie ist Ihre Haltung in Bezug auf Home Office?
  • Welche auftragsrelevanten Entscheidungen darf ich selbst treffen und welche muss ich zuvor mit dem Management abklären?

Natürlich hängt der Raum für Initiative und Autonomie größtenteils mit den Führungsstilen zusammen. Innerhalb des autoritären Führungsstils wird es viel weniger Raum für Initiative und Autonomie geben als beim Laissez-faire Stil.

3. Ist die Arbeitsatmosphäre formell oder informell?

Bestimmen Sie zuerst für sich selbst, in welcher Atmosphäre Sie sich am wohlsten fühlen: in einer formellen Umgebung oder einer lockeren Arbeitsatmosphäre? In einer formellen Arbeitsumgebung gibt es oft Regeln und feste Abläufe und es herrscht eine klare Struktur. Der Umgang zwischen Kollegen ist oft sachlich und auf das Wesentliche reduziert. Eine lockere Unternehmenskultur ist meist gekennzeichnet von einer flachen Hierarchiestruktur und freundschaftlichen Gesprächen am Arbeitsplatz. Hier fehlt es jedoch häufig an einer klaren Arbeitsstruktur.

Überlegen Sie sich, in welchem Umfeld Sie am meisten leisten können und fragen Sie Ihren potenziellen Auftraggeber, wie er die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen einschätzt. So können Sie sich bereits im Vorstellungsgespräch ein gutes Bild machen. Informieren Sie sich im Zusammenhang mit der Arbeitsatmosphäre auch über die Dynamik am Arbeitsplatz. Wenn Sie am effektivsten in einer ruhigen Atmosphäre arbeiten, könnte sich eine geschäftige Verkaufsatmosphäre eher nachteilig auf Ihre Konzentration auswirken.

4. Welche Position habe ich als Freelancer im Unternehmen?

In jedem Unternehmen gibt es Regeln, die die Beschäftigung von Freelancern im Team betreffen. Bei einigen Arbeitgebern zählen Sie wie einer der Festangestellten und nehmen an Betriebsausflügen, Schulungen und Bonusprogrammen teil. Bei vielen Unternehmen sind Sie jedoch ein Externer, der bei solchen Aktivitäten nicht mit einbezogen wird. Legen Sie für sich selbst fest, wie stark Sie im Unternehmen mit einbezogen werden wollen und fragen Sie beim Vorstellungsgespräch, wie die Regelungen im Unternehmen sind.

Fazit

Im modernen Arbeitsmarkt zählt die Unternehmenskultur als wichtiger Faktor für die Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn Sie als IT-Fachkraft einen Freelance-Auftrag in einem Unternehmen annehmen, sollten Sie vorab für sich festlegen, in welcher Arbeitsumgebung Sie optimale Leistung erbringen, sich wohlfühlen und sich am besten weiterentwickeln können. Anhand dieser Kriterien fällt die Wahl des Arbeitgebers deutlich leichter. 

Sie selbst können im Vorstellungsgespräch abtasten, worum es bei Ihrem Auftrag genau gehen soll und in diesem Zusammenhang die oben genannten Fragen stellen. So vermeiden Sie große Überraschungen zu Beginn Ihres Auftrags und schaffen die besten Voraussetzungen für die künftige Zusammenarbeit. Progressive unterstützt Sie während des Gesprächs und hilft Ihnen dabei, die für Sie passende Stelle zu finden. 

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