Wie Sie schwerige Fragen im Vorstellungsgespräch beantworten

Ein Vorstellungsgespräch ähnelt in gewisser Weise einer Singlebörse: Die gestellten Fragen dienen dazu, herauszufinden, ob Sie mit dem Unternehmen kompatibel sind. In einem Vorstellungsgespräch erfolgt dies aus der Perspektive Ihrer Fähigkeiten sowie der Unternehmenskultur.

Sie sollten davon ausgehen, dass sich die Fragen im Wesentlichen auf Ihre Fähigkeiten und Ansichten fokussieren. Einige dieser Fragen werden recht herausfordernd sein.



1. Warum sollten wir Sie einstellen?

Diese Frage kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern wird häufig gestellt, doch wie sollten Sie sie beantworten, ohne arrogant zu erscheinen oder unzureichende Zuversicht zu demonstrieren? Die Antwort lautet: Machen Sie Ihre Hausaufgaben! Lesen Sie die Stellenanzeige genau durch: Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sucht der Arbeitgeber? Beantworten Sie die Frage auf der Basis Ihrer bisherigen Erfahrungen. Dabei brauchen Sie nicht ausschließlich auf Ihre Erfahrungen im Berufsleben zurückzugreifen. Falls Ihr potenzieller Arbeitgeber eine Stelle besetzen will, bei welcher Sie ein Team managen müssen, könnten Sie auch über Ihre Arbeit im lokalen Fußballverein am Wochenende sprechen oder über Ihre Koordination einer großen Veranstaltung zur Spendensammlung.



2. Erzählen Sie mir etwas über sich selbst

Wo sollte man beginnen? Hier sollten Sie nicht Ihre gesamte Schul- und weiterführende Ausbildung aufführen, sondern sich stattdessen darauf konzentrieren, wo Sie heute stehen und was Ihre nächsten Schritte sein werden. Achten Sie darauf, dass Ihre Aussagen für die ausgeschriebene Stelle relevant sind: Ich bin ein erfahrener „X“, der eine Herausforderung schätzt, gerne ein Team führt bzw. in einem Umfeld aufblüht, wo hohe Ziele gesetzt werden.



3. Was würden Leute, mit denen Sie nicht gut auskommen, über Sie sagen?

Diese Frage ist eine Abwandlung der Frage „Was würden Ihre Freunde über Sie sagen?“. Antworten Sie ehrlich, ohne übermäßig negativ zu erscheinen. Falls die Antwort beispielsweise lautet „Sie würden sagen, dass ich zu sehr drängle“, könnten Sie erklären, dass das daran liegt, dass Sie großen Wert auf Pünktlichkeit legen und es Ihnen wichtig ist, sich an Abmachungen zu halten.



4. Wie viele Tennisschläger gibt es auf der Welt?

Solche Art von Frage dient nicht dazu herauszufinden, ob Sie die Antwort wissen. Sie ist vielmehr dazu gedacht, zu sehen, wie schnell Sie glauben, Probleme lösen zu können und wie sie unter Druck arbeiten. Werden Sie eine reine Vermutung äußern oder versuchen, die Frage zu unterteilen und zu einer Lösung zu kommen? Scheuen Sie sich nicht, weitere Fragen im Rahmen Ihrer Problemlösung zu stellen oder sich ausreichend Zeit für eine Antwort zu nehmen.



5. Welche Aufgaben dieser Stelle gefallen Ihnen am wenigsten?

Hier können Sie ehrlich und diplomatisch antworten. Erläutern Sie jedoch in jedem Fall wie Sie mit der Tatsache umgehen werden, dass diese Aufgaben Ihnen am wenigsten zusagen.



6. Haben Sie Vorbilder? Wenn ja, welche?

Halten Sie sich von offensichtlichen Vorbildern wie Nelson Mandela fern: nicht deshalb, weil er eine schlechte Wahl darstellt, sondern weil diese Wahl mangelnde Einbildungskraft zeigt. Wählen Sie stattdessen z.B. Ihren Lehrer in der Sekundarschule. Die Person braucht nicht berühmt oder bekannt zu sein. Hier geht es darum, darüber nachzudenken, weshalb die Person Ihr Vorbild ist.



7. Spezifische Fragen zum Unternehmen

„Was halten Sie von unserer Strategie zur Unternehmensverantwortung?“ Damit versucht man, Ihr Wissen über das Unternehmen zu prüfen. Eine gute Antwort könnte lauten: „Ich denke, dass Ihre Strategie zur Reduzierung von CO2-Emissionen gut funktioniert, doch es wäre vielleicht ebenfalls von Vorteil, wenn Sie sich mehr auf das Recycling im Büro konzentrieren würden.“



8. Wünschen Sie sich heute, dass Sie etwas Bestimmtes nie getan hätten?

Hierbei geht es um den Fragenkomplex „Erzählen Sie mir, wie Sie aus einer kniffligen Situation herausgekommen sind bzw. wie Sie mit einem schwierigen Kollegen umgegangen sind bzw. was Sie gemacht haben, als Sie Ihnen ein schlimmer Fehler bei der Arbeit unterlaufen ist“. Man möchte herausfinden, wie Sie auf ein negatives Ereignis reagiert haben. Ihre Antwort sollte Lektionen enthalten, die Sie aus der Erfahrung gelernt haben und wie Sie im Anschluss daran anders bzw. besser gehandelt haben.



9. Was ist Ihrer Ansicht nach der Kern unserer Unternehmenskultur?

Eine andere Frage wäre: „Gibt es etwas, dass Ihnen an unserer Unternehmenskultur nicht gefällt?“ Das Ergebnis der beiden Fragen ist dasselbe: Das Unternehmen versucht herauszufinden, wie gut Sie es bereits kennen und wie viel Recherche Sie investiert haben. Zusätzlich möchte man herausfinden, ob Sie in die Unternehmenskultur passen.



10. Wie ist dieses Vorstellungsgespräch Ihrer Meinung nach verlaufen?

Das ist eine Abweichung von der üblichen Frage „Und haben Sie noch Fragen?“ am Ende des Vorstellungsgesprächs. Sie dient dazu, herauszufinden, ob Sie Ihrer Meinung nach keine gute Leistung gezeigt haben, aber an einem anderen Tag eine bessere Leistung erbracht hätten. Außerdem gibt sie dem Interviewer eine Gelegenheit, nach Anzeichen von Arroganz oder Selbstzweifeln zu suchen. Ihre Antwort sollte demzufolge irgendwo in der Mitte liegen. Sollte diese Frage nicht Ihnen gestellt werden, wäre das eine interessante Frage, die Sie dem Interviewer stellen könnten... Viel Glück dabei!